Über mein Kinderbuch zum Vaihinger Maientag

Da ich in Vaihingen/Enz geboren bin, bin ich auch mit dem Maientag groß geworden. Zuerst staunend am Straßenrand, doch es ging an und für sich ganz schnell. Sobald man in der Grundschule angekommen war, ging man auf dem Festzug mit. Und sobald man alt genug war, um ein Gedicht zu lernen und vorzutragen, hatte man auch dazu mit etwas Glück Gelegenheit. Und am Maientag 1996 stand auch ich plötzlich vor tausend Menschen in der Mitte dieses Rondells unter der alten, dicken Platane und sagte meinen Vers ins Mikrofon. Und alle, besonders die Erwachsenen, hörten zu und applaudierten.
Kinder hatten zum Maientag im allgemeinen viele schöne Momente, sogar die langsamen Läufer hatten beim Lauf nach dem Maien das Glück, noch einen Bleistift (ohne Radiergummi) zu ergattern. Über die Jahre hat sich das ein oder andere geändert, aber das Fest, wie ich es von früher kannte, ist doch im Kern genau das, was es immer war und so, wie es in meiner Erinnerung war und sich beim neuerlichen Erleben wieder wie ein Puzzlestück zusammenfügt.
Vielleicht wird es sogar noch schöner, wenn man erwachsen ist und sich an den Kindern erfreuen kann, die aus voller Kehle „D’Zit isch do!“ rufen. Und dann fällt einem auch auf, wie viel Geschichte in diesen Festumzug gepackt wurde und wie stolz hier so viele verschiedene (Stadt-)Geschichten präsentiert werden. Sei es die lustigen Spitznamen der Teilorte oder kleine Sehenswürdigkeiten wie das Große Haus (6-stöckiges Fachwerkhaus in Enzweihingen), die Waschfrauen an der Enz, der Besuch Kaiser Karls V. oder die Stadtgründung durch den Grafen Gottfried. Als Kind fragt man sich viel, hat aber beim Festzug selbst keine Gelegenheit zu fragen. Ich habe ich mich über die Schnecken aus Aurich gewundert und über die Esel aus Roßwag. Diese alten Geschichten sind schwer zu finden und eine kindgerechte, kompakte Information über die vielen Gruppen und Kostüme ebenso. Daher war meine Idee, den Maientag als Basis für ein interessantes Bilderbuch zu nehmen. Doch merkte ich schnell, mit Bildern war es hier nicht getan. Es mussten Erklärungen und Geschichten her. Dann kam eines zum anderen, die anfängliche Idee baute sich nach und nach zu einem großen Projekt aus. Denn mit dieser Fülle hatte ich, die ich schon viele Festzüge und Maientage erlebt habe, nicht gerechnet. Und das Komplexe wollte ich auch irgendwie für neugierige Kinder zugänglich machen.
 
Das war eine zeit- und rechercheintensive Aufgabe, die ich mir da gestellt hatte. Jetzt ist das Projekt schon recht weit: Die Illustrationen sind weitgehend fertig gestellt. Das Buch-Layout ist gemacht. Der Text-Inhalt ebenso. Ein Umschlagentwurf steht – Testbücher werden gedruckt und versendet.

Aktuell läuft der Austausch mit den Vaihinger Testleserinnen und Testlesern und das Feedback. Es bleibt also spannend!

Veröffentlicht wird das Buch im neuen Jahr. Weiteres und ein Link zur Bestellung wird an dieser Stelle noch kundgetan.

 

 
 

 

 

Was ist der Vaihinger Maientag?

Der Vaihinger Maientag ist aus Vaihingen an der Enz (in Baden-Württemberg) nicht wegzudenken. Dieses bunte Kinder- und Familienfest am Pfingstmontag, voller Blumenschmuck und historischer Kostüme, prägt wahrscheinlich jeden, der hier die Kindheit verbracht hat. Neben dem großen Festumzug mit vielen Pferden und Kutschwagen gibt es eine große Feier im Freien um eine alte Platane, bei der Kinder die Hauptrolle spielen: Sie tragen Gedichte vor, singen, tragen den Wettlauf „Lauf nach dem Maien“ aus. Ein Scholar (ursprünglich ein Lateinschüler) hält eine Festrede. Wenn  die Kinder alljährlich rufen: „D’Zit isch do!“ (bedeutet: Der Frühling ist da!), geht jedem im Publikum das Herz auf. Dann gibt es noch den Flößertanz und so viel anderes zu sehen… Wenn man nach einer Zeitlang nach Vaihingen zurückkommt, merkt man: Der Maientag, dieses schöne Frühlingsfest, ist hier tief im Ort verwurzelt und hat schon vielen Generationen Freude bereitet. Kinder erleben das Fest oft gemeinsam mit Familie, Opa und Oma und verbinden noch viel mehr damit. Spannend sind auch die vielen historischen Bezüge, die man wie nebenbei beim Festzug sehen kann. Da musste ich nicht lange nachdenken, denn hier fand sich mehr als genug Anlass zur Recherche, um ein „Vaihinger Kinderbuch“ zu gestalten.